
„Der 1. Mai hat gezeigt, dass wir keinen funktionierenden Markt haben“

Was uns der Iran-Krieg lehrt? Der Chef des Netzbetreibers Tennet Germany sagt: Wir brauchen mehr grüne Energie – nicht aus ökologischer Überzeugung, sondern aus geopolitischem Kalkül.
WirtschaftsWoche: Herr Meyerjürgens, es gibt Vorschläge, den EU-Emissionshandel zu lockern, ihn sogar auszusetzen, etwa zugunsten des Kohlestroms. Wäre das angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage in Deutschland der richtige Befreiungsschlag?
Tim Meyerjürgens: Ich bewerte vergleichbare Vorstöße sehr kritisch. Denn ein Aussetzen des Emissionshandels – des ETS – würde Symptome bekämpfen, nicht Ursachen. Viele Investoren haben sich in den letzten Jahren auf den Emissionshandel eingestellt und ihre Investitionsentscheidungen daran ausgerichtet. Wenn man jetzt die Spielregeln ändert, verspielt man viel Vertrauen bei denen, die bereits investiert haben. Deshalb sollten Anpassungen nur sehr behutsam erfolgen.
Quelle: wiwo.de
